Zwei Arten von beheizbaren Windschutzscheiben
Beheizbare Windschutzscheiben gibt es in zwei grundlegenden Bauarten. Welche verbaut ist, hängt vom Hersteller und vom Modell ab.
- Scheiben mit Heizdrähten: Hauchdünne, leicht gewellte Drähte sind in die Kunststofffolie zwischen den beiden Glasschichten eingebettet. Aus der Nähe und bei Gegenlicht sind sie als feine Linien erkennbar.
- Scheiben mit Heizbeschichtung: Eine nahezu unsichtbare, elektrisch leitende Metallschicht wird auf eine der inneren Glasflächen aufgebracht. Bei vielen Ausführungen sitzt sie auf der Innenseite der äußeren Glasscheibe. Solche Beschichtungen haben oft zusätzlich eine wärmereflektierende Wirkung.
Nicht zu verwechseln sind diese vollflächig beheizten Scheiben mit einer reinen Scheibenwischer-Ablageheizung. Dabei wird nur ein schmaler Streifen am unteren Rand erwärmt, damit die Wischerblätter nicht festfrieren.
Kurz gesagt: Beheizbare Windschutzscheiben arbeiten entweder mit feinen Heizdrähten in der Zwischenfolie oder mit einer unsichtbaren, leitfähigen Beschichtung im Inneren des Glasverbunds.
Wie beheizbare Scheiben im Detail funktionieren, erklärt der Beitrag Heizbare Windschutzscheiben – Wie moderne Frontscheiben den Winter besiegen.
Warum ein typischer Steinschlag die Heizung meist nicht erreicht
Die Heizelemente liegen im Inneren des Verbunds – geschützt durch die äußere Glasschicht. Ein typischer Steinschlag beschädigt aber genau diese äußere Glasschicht und endet meist, bevor er die Zwischenfolie erreicht.
Das ist die Grundlage für jede Steinschlagreparatur: Das Harz füllt die Hohlräume in der äußeren Glasschicht. Folie und Innenscheibe bleiben unberührt. Bei einer beheizbaren Scheibe bedeutet das: Solange der Schaden nicht bis zu den Heizelementen reicht, sind diese durch die Reparatur nicht direkt betroffen.
Wo die Risiken bei der Reparatur liegen
Trotzdem ist bei beheizbaren Scheiben besondere Sorgfalt nötig. Drei Punkte sind entscheidend:
Die Tiefe des Schadens: Je tiefer ein Einschlag reicht, desto näher kommt er an die Heizebene. Bei Scheiben mit Heizbeschichtung liegt die leitende Schicht bei vielen Ausführungen direkt unter der äußeren Glasschicht. Ein tiefer Schaden kann sie punktuell beeinträchtigen.
Das Reparaturverfahren: Manche Reparaturverfahren öffnen den Einschlagpunkt mit einem sehr feinen Bohrer, damit das Harz besser eindringt. Bei einer beheizbaren Scheibe muss sehr genau darauf geachtet werden, dass dabei nicht in Richtung Heizebene gearbeitet wird. Wird ein Heizdraht verletzt, kann er seine Funktion verlieren. Es gibt auch Reparatursysteme, die ohne Bohren auskommen. Welches Vorgehen sinnvoll ist, hängt vom Schaden ab.
Die Lage des Schadens: Die Stromzuführung erfolgt meist über schmale Leiterbahnen am Scheibenrand. Ein Schaden in diesem Bereich ist doppelt heikel – wegen der Heiztechnik und weil Randschäden generell schwer zu reparieren sind.
Kurz gesagt: Ein Steinschlag in einer beheizbaren Windschutzscheibe ist oft reparierbar, solange nur die äußere Glasschicht beschädigt ist und bei der Reparatur die Heizebene nicht verletzt wird.
Was passiert, wenn ein Heizdraht beschädigt ist?
Bei Scheiben mit Heizdrähten verlaufen die Drähte meist parallel zueinander. Wird ein Draht unterbrochen, fließt durch ihn kein Strom mehr. In seinem Verlauf bleibt ein schmaler Streifen kalt. Beim Abtauen oder Entfeuchten zeigt sich dann eine Linie, die langsamer frei wird als der Rest der Scheibe.
Ein unterbrochener Heizdraht lässt sich im Verbund nicht reparieren, weil er zwischen den Glasschichten liegt. Ob man mit einem kalten Streifen leben kann, ist auch eine Frage der Lage. Im Sichtfeld des Fahrers ist eine ungleichmäßige Enteisung oder ein Beschlagstreifen eine echte Einschränkung.
Bei Scheiben mit Heizbeschichtung kann ein Schaden an der leitenden Schicht die Stromverteilung verändern. Wie sich das auswirkt, hängt von der Ausführung ab.
Nach einer Reparatur lohnt sich deshalb ein einfacher Funktionstest. Bei der nächsten Gelegenheit – etwa an einem kühlen Morgen oder bei beschlagener Scheibe – die Heizung einschalten und beobachten, ob die Scheibe rund um die reparierte Stelle genauso gleichmäßig frei wird wie im Rest der Fläche. Bleibt ein Streifen oder eine Zone auffällig länger vereist oder beschlagen, sollte das in einem Fachbetrieb kontrolliert werden.
Wichtig ist auch der Blick auf das Fahrzeug insgesamt. Bei manchen Modellen gibt es zu ein und demselben Fahrzeug Windschutzscheiben mit und ohne Heizfunktion. Wer ein Gebrauchtfahrzeug übernommen hat, weiß oft gar nicht genau, welche Ausführung verbaut ist. Die Fahrzeugdaten geben darüber Auskunft.
Wann ein Tausch unvermeidlich ist
Neben den allgemeinen Kriterien – Riss, Lage im Sichtfeld, Nähe zum Rand, Kamerabereich – gibt es bei beheizbaren Scheiben zusätzliche Gründe für einen Tausch:
- Der Schaden reicht sichtbar bis in die Zwischenfolie.
- Heizdrähte sind im Bereich des Einschlags erkennbar unterbrochen.
- Die Heizfunktion arbeitet nach dem Steinschlag nicht mehr gleichmäßig.
- Der Schaden liegt im Bereich der Stromzuführung am Rand.
Beim Tausch muss die neue Scheibe exakt der Ausstattung des Fahrzeugs entsprechen – mit derselben Heiztechnik und denselben elektrischen Anschlüssen. Je nach Fahrzeug kommen Frontkamera, Regensensor oder Head-up-Display dazu. Die richtige Variante wird deshalb vor der Bestellung anhand der Fahrzeugdaten geklärt. Nach dem Einbau wird die Heizfunktion geprüft und bei Bedarf die Kamera kalibriert.
Die allgemeinen Entscheidungskriterien finden Sie im Beitrag Steinschlag reparieren oder Windschutzscheibe tauschen?
Richtig handeln bis zur Begutachtung
- Die Schadstelle sofort mit einem Steinschlagpflaster abdecken, damit weder Feuchtigkeit noch Schmutz eindringen.
- Die Scheibenheizung bis zur Begutachtung zurückhaltend nutzen. Jede schnelle Erwärmung erzeugt Temperaturunterschiede im Glas, die einen Steinschlag belasten können.
- Nicht mit dem Eiskratzer über die Schadstelle fahren.
- Waschanlage und Hochdruckreiniger auslassen.
- Möglichst rasch einen Fachbetrieb aufsuchen und dort angeben, dass es sich um eine beheizbare Scheibe handelt.
Bei Autoglas4You: Wir reparieren Steinschläge mit einem vollautomatischen Reparatursystem, das ohne Bohren auskommt. Gerade bei beheizbaren Scheiben ist das ein Vorteil, weil nicht in Richtung Heizebene gebohrt wird. Die Scheibenprüfung ist kostenlos, Termine sind oft noch am selben Tag möglich.
Fazit
Eine beheizbare Windschutzscheibe ist kein Ausschlussgrund für eine Steinschlagreparatur. Die Heizelemente liegen geschützt im Inneren des Glasverbunds, ein typischer Steinschlag betrifft nur die äußere Glasschicht. Unter den richtigen Voraussetzungen kann der Schaden daher repariert werden, ohne dass die Heizfunktion leidet.
Wichtig sind eine sorgfältige Begutachtung und ein schonendes Reparaturverfahren, bei dem die Heizebene nicht verletzt wird. Reicht der Schaden bereits bis zu den Heizdrähten oder zur Heizschicht, liegt er am Rand oder hat sich ein Riss gebildet, ist der Tausch die sichere Lösung.
Wer schnell reagiert, die Stelle abdeckt und die Heizung bis zur Reparatur zurückhaltend einsetzt, erhöht die Chance deutlich, die Scheibe samt Heizfunktion zu erhalten.
Über Autoglas4You: Dieser Ratgeber entstand auf Basis unserer 22-jährigen Erfahrung im Windschutzscheibentausch. Autoglas4You – Ihr Autoglas-Fachbetrieb in Hagenbrunn und Wien, seit 2004.
Mehr erfahren:
· Steinschlagreparatur bei Autoglas4You
· Windschutzscheibentausch bei Autoglas4You
· Heizbare Windschutzscheiben – Wie moderne Frontscheiben den Winter besiegen
· Steinschlag im Winter – warum es jetzt besonders kritisch ist
· Die unsichtbare Schicht – Warum die PVB-Folie das Herz jeder Windschutzscheibe ist
Jetzt kostenlos Angebot sichern