Eine Windschutzscheibe erlebt jeden Kilometer an vorderster Front
Kaum ein anderes Bauteil des Fahrzeugs ist während der Fahrt so direkt den äußeren Einflüssen ausgesetzt wie die Frontscheibe.
Staub, Sand, kleine Steinpartikel, Straßenschmutz, Insekten und im Winter Streumaterial treffen permanent auf das Glas.
Bei niedriger Geschwindigkeit ist die Belastung vergleichsweise gering.
Auf der Autobahn sieht die Situation anders aus.
Bei 100, 130 km/h oder mehr treffen selbst sehr kleine Partikel mit erheblicher Geschwindigkeit auf die Windschutzscheibe.
Nicht jeder Kontakt erzeugt einen klassischen Steinschlag.
Viele Einschläge sind so klein, dass sie einzeln kaum wahrgenommen werden.
Über Jahre kann daraus jedoch eine Oberfläche entstehen, die unter bestimmten Lichtbedingungen deutlich anders wirkt als eine neue Windschutzscheibe.
Tausende winzige Einschläge statt eines großen Steinschlags
Bei einem klassischen Steinschlag gibt es einen klar erkennbaren Einschlagpunkt.
Bei einer stark beanspruchten älteren Windschutzscheibe kann das Schadensbild völlig anders aussehen.
Statt eines einzelnen großen Schadens befinden sich sehr viele extrem kleine Spuren über große Bereiche der Scheibe verteilt.
Bei normalem Tageslicht fallen diese möglicherweise kaum auf.
Schaut man jedoch bei tief stehender Sonne durch das Glas, können plötzlich unzählige kleine Punkte sichtbar werden.
Besonders deutlich zeigt sich dieser Effekt häufig, wenn die Sonne direkt von vorne kommt.
Das Glas wirkt dann möglicherweise leicht „gesprenkelt“, obwohl es frisch gereinigt wurde.
Dabei handelt es sich nicht unbedingt um Schmutz.
Die Oberfläche selbst kann über die Jahre zahlreiche kleine Gebrauchsspuren angesammelt haben.
Warum Autobahnfahrzeuge besonders betroffen sein können
Ein Fahrzeug mit 150.000 Kilometern Stadtverkehr hat seine Windschutzscheibe unter anderen Bedingungen genutzt als ein Fahrzeug mit derselben Laufleistung, das überwiegend auf Autobahnen unterwegs war.
Auf der Autobahn ist die Geschwindigkeit deutlich höher.
Gleichzeitig fährt man häufig hinter anderen Fahrzeugen, deren Reifen kleine Partikel von der Fahrbahn aufwirbeln.
Besonders hinter LKW oder auf stark befahrenen Strecken kann die Windschutzscheibe regelmäßig kleinen Einschlägen ausgesetzt sein.
Auch Baustellenbereiche können die Belastung erhöhen.
Lose Steinchen, Sand und Staub gelangen auf die Fahrbahn und werden von Fahrzeugen aufgewirbelt.
Deshalb sagt die Kilometerzahl allein noch nicht alles über den Zustand einer Windschutzscheibe aus.
Entscheidend ist auch, unter welchen Bedingungen diese Kilometer gefahren wurden.
Tief stehende Sonne macht die Alterung plötzlich sichtbar
Viele Fahrer bemerken den Zustand ihrer Windschutzscheibe nicht bei bewölktem Himmel.
Das Problem erscheint erst in einer ganz bestimmten Situation:
Die Sonne steht tief und scheint direkt von vorne.
Plötzlich wird die Sicht deutlich schlechter.
Jede kleine Oberflächenunregelmäßigkeit kann Licht streuen.
Wenn sich über Jahre sehr viele dieser winzigen Spuren angesammelt haben, entsteht ein Effekt, der den Fahrer stark stören kann.
Die Scheibe wirkt dann nicht unbedingt milchig oder tatsächlich „blind“.
Vielmehr entsteht eine Vielzahl kleiner Lichtreflexionen.
Das kann besonders morgens und abends unangenehm sein.
Eine perfekt gereinigte Scheibe löst das Problem dann möglicherweise nicht mehr vollständig, weil sich die Ursache nicht auf der Oberfläche befindet, sondern die Oberfläche selbst verändert beziehungsweise beschädigt ist.
Nachts können entgegenkommende Scheinwerfer zum Problem werden
Noch deutlicher kann sich der Effekt bei Nacht zeigen.
Moderne Fahrzeuge besitzen leistungsstarke Scheinwerfersysteme.
LED- und Matrix-LED-Scheinwerfer erzeugen sehr helles und präzise gerichtetes Licht.
Trifft dieses Licht auf eine Windschutzscheibe mit zahlreichen feinen Oberflächenspuren, kann es stärker gestreut werden.
Der Fahrer sieht dann rund um entgegenkommende Lichtquellen möglicherweise zusätzliche Reflexionen oder Lichtschleier.
Das Auge muss permanent zwischen dunkler Umgebung und hellen Lichtquellen wechseln.
Eine stark beanspruchte Windschutzscheibe kann diese ohnehin anspruchsvolle Fahrsituation zusätzlich unangenehm machen.
Besonders auf unbeleuchteten Landstraßen oder bei Regen wird der Unterschied häufig deutlich.
Regen verstärkt den optischen Effekt zusätzlich
Bei trockener Scheibe können feine Gebrauchsspuren noch relativ unauffällig sein.
Kommt Regen hinzu, verändert sich die Lichtbrechung an der Oberfläche.
Gleichzeitig bewegen sich die Scheibenwischer permanent über das Glas.
Entgegenkommende Scheinwerfer, Straßenbeleuchtung, Wasser und Oberflächenspuren wirken dann zusammen.
Dadurch kann die Sicht subjektiv wesentlich schlechter erscheinen als bei trockenem Wetter.
Wenn zusätzlich die Wischerblätter nicht mehr einwandfrei funktionieren, entstehen Schlieren.
Deshalb sollte bei schlechter Sicht im Regen zunächst immer geprüft werden, ob Scheibe und Scheibenwischer sauber und technisch in Ordnung sind.
Erst danach lässt sich besser beurteilen, ob die Glasoberfläche selbst einen relevanten Anteil am Problem hat.
Zuerst unterscheiden: Verschmutzt oder tatsächlich verschlissen?
Eine Windschutzscheibe kann alt aussehen, obwohl das Glas selbst noch in gutem Zustand ist.
Auf der Außenfläche können sich Kalk, Wachsreste aus Waschanlagen, Insektenreste oder andere Ablagerungen befinden.
Auf der Innenseite bildet sich häufig ein feiner Film.
Dieser fällt bei normalem Tageslicht kaum auf, kann aber bei Gegenlicht massive Reflexionen verursachen.
Deshalb sollte eine Windschutzscheibe zunächst gründlich innen und außen gereinigt werden.
Auch die Scheibenwischer sollten kontrolliert werden.
Erst wenn die Scheibe wirklich sauber ist und die störenden Effekte weiterhin bestehen, kann sinnvoll beurteilt werden, ob tatsächlich die Glasoberfläche selbst verantwortlich ist.
Dieser Schritt ist wichtig.
Denn eine verschmutzte Windschutzscheibe muss selbstverständlich nicht ausgetauscht werden.
Mikrokratzer und kleine Einschläge sind nicht dasselbe
Bei einer älteren Windschutzscheibe können unterschiedliche Arten von Gebrauchsspuren gleichzeitig vorhanden sein.
Feine Kratzer entstehen beispielsweise durch Scheibenwischer, trockene Reinigung oder harte Schmutzpartikel.
Winzige Einschläge entstehen dagegen durch Partikel, die während der Fahrt auf die Scheibe treffen.
Optisch können beide Erscheinungen bei Gegenlicht störend werden.
Ihre Entstehung ist jedoch unterschiedlich.
Typische Wischspuren verlaufen häufig bogenförmig entlang der Bewegung der Scheibenwischer.
Kleine Einschlagpunkte können dagegen über die gesamte angeströmte Fläche verteilt sein.
Bei einem Fahrzeug mit hoher Laufleistung findet man häufig eine Kombination verschiedener Spuren.
Kann man eine „alte“ Windschutzscheibe wieder aufbereiten?
Diese Frage stellt sich verständlicherweise schnell.
Wenn die Scheibe nicht gerissen ist, müsste man sie doch möglicherweise einfach polieren können.
Ganz so einfach ist es nicht.
Eine gründliche Reinigung und Entfernung von Ablagerungen kann die Sicht erheblich verbessern, wenn Verschmutzungen die Ursache sind.
Bei tatsächlichen Beschädigungen der Glasoberfläche sind die Möglichkeiten begrenzter.
Sehr feine oberflächliche Spuren sind etwas anderes als tausende kleine Einschläge oder tiefere Kratzer.
Eine großflächige aggressive Politur einer Windschutzscheibe ist außerdem nicht unproblematisch.
Wird Glas ungleichmäßig abgetragen, können optische Verzerrungen entstehen.
Deshalb muss immer beurteilt werden, welches Problem tatsächlich vorliegt, bevor über eine Bearbeitung nachgedacht wird.
Mehr dazu behandeln wir in unserem Ratgeber:
„Frontscheibe zerkratzt – Polieren, reparieren oder austauschen?“
Eine Steinschlagreparatur löst dieses Problem nicht
Auch hier ist die Unterscheidung wichtig.
Eine klassische Steinschlagreparatur behandelt einen einzelnen geeigneten Glasschaden.
Dabei wird spezielles Reparaturharz in die Schadstelle eingebracht.
Eine Windschutzscheibe mit tausenden kleinen Gebrauchsspuren lässt sich auf diese Weise selbstverständlich nicht „erneuern“.
Die Steinschlagreparatur ist kein Verfahren zur Aufbereitung einer großflächig verschlissenen Glasoberfläche.
Befindet sich zusätzlich ein einzelner größerer Steinschlag in der Scheibe, muss dieser separat beurteilt werden.
Weitere Informationen: steinschlagreparatur
Gibt es eine feste Kilometergrenze für Windschutzscheiben?
Nein.
Eine Windschutzscheibe besitzt keine vorgeschriebene Laufleistung, nach der sie automatisch ausgetauscht werden muss.
Es wäre deshalb falsch zu sagen:
Nach 100.000 oder 150.000 Kilometern braucht jedes Fahrzeug eine neue Frontscheibe.
Ein Fahrzeug kann auch bei hoher Laufleistung noch eine sehr gute Windschutzscheibe besitzen.
Umgekehrt kann eine Scheibe bei deutlich geringerer Kilometerleistung bereits stark beansprucht sein.
Entscheidend sind Fahrprofil, Straßenbedingungen, Pflege und individuelle Belastungen.
Deshalb sollte nicht die Kilometerzahl über einen Austausch entscheiden.
Der tatsächliche Zustand der Windschutzscheibe ist entscheidend.
Wann kann ein Austausch trotzdem sinnvoll werden?
Eine Windschutzscheibe muss nicht zwingend gerissen sein, bevor über einen Austausch nachgedacht werden kann.
Wenn die Glasoberfläche so stark beansprucht ist, dass die Sicht unter realen Fahrbedingungen deutlich beeinträchtigt wird, kann ein Austausch sinnvoll sein.
Besonders relevant sind Situationen wie:
starke Lichtstreuung bei Nacht,
massive Reflexionen bei tief stehender Sonne,
großflächige Wischspuren,
zahlreiche kleine Einschläge über den relevanten Sichtbereich,
oder eine Kombination mehrerer dieser Faktoren.
Dabei sollte immer zuerst ausgeschlossen werden, dass lediglich Verschmutzungen oder schlechte Scheibenwischer die Ursache sind.
Bleibt die Sicht trotz gründlicher Reinigung deutlich beeinträchtigt, lohnt sich eine fachliche Beurteilung.
Der Unterschied nach einem Austausch kann überraschend groß sein
Wer viele Jahre mit derselben Windschutzscheibe gefahren ist, gewöhnt sich häufig langsam an die Veränderung.
Die Verschlechterung entsteht nicht von einem Tag auf den anderen.
Sie entwickelt sich über zehntausende Kilometer.
Deshalb wird sie vom Fahrer möglicherweise lange gar nicht bewusst wahrgenommen.
Nach einem notwendigen Windschutzscheibentausch fällt der Unterschied dann manchmal besonders deutlich auf.
Eine neue, saubere und optisch einwandfreie Scheibe kann vor allem bei Nacht und Gegenlicht einen erheblich klareren Eindruck vermitteln.
Das bedeutet nicht, dass jede ältere Windschutzscheibe vorsorglich ersetzt werden sollte.
Es zeigt jedoch, wie stark sich eine schleichende Veränderung der Glasoberfläche auf die subjektive Sicht auswirken kann.
Beim Gebrauchtwagenkauf ebenfalls auf die Glasoberfläche achten
Gerade bei Fahrzeugen mit hoher Kilometerleistung lohnt sich vor dem Kauf ein genauer Blick auf die Windschutzscheibe.
Am besten erfolgt die Kontrolle nicht ausschließlich im Schatten.
Wenn möglich, sollte die Scheibe auch bei Gegenlicht betrachtet werden.
Zahlreiche kleine Einschläge und Wischspuren werden dann wesentlich deutlicher sichtbar.
Auch eine Probefahrt bei Dunkelheit kann bei einem hochwertigen Gebrauchtwagen interessant sein.
Eine optisch stark beanspruchte Frontscheibe ist kein Beweis dafür, dass das Fahrzeug schlecht behandelt wurde.
Sie kann schlicht das Ergebnis vieler Autobahnkilometer sein.
Trotzdem sollte ihr Zustand in die Gesamtbeurteilung des Fahrzeugs einfließen.
Mehr dazu finden Sie auch in unserem Ratgeber:
„Gebrauchtwagen kaufen: Was die Windschutzscheibe über die Vergangenheit eines Autos verraten kann“
Moderne Fahrzeuge: Bei einem Austausch die Ausstattung beachten
Wird eine ältere Windschutzscheibe aufgrund ihres Zustands ersetzt, muss bei modernen Fahrzeugen die genaue Ausstattung berücksichtigt werden.
Für dasselbe Fahrzeugmodell können mehrere unterschiedliche Frontscheiben verfügbar sein.
Je nach Ausstattung können unter anderem folgende Funktionen relevant sein:
Regensensor,
Fahrerassistenzkamera,
Scheibenheizung,
Akustikverglasung,
Wärmeschutzfunktionen,
Head-up-Display.
Deshalb wird die richtige Windschutzscheibe anhand der Fahrzeugdaten und vorhandenen Ausstattung identifiziert.
Eine Scheibe mit den passenden Außenmaßen ist nicht automatisch die technisch richtige Variante.
Fahrerassistenzkamera und Kalibrierung
Bei vielen neueren Fahrzeugen befindet sich hinter der Windschutzscheibe eine Kamera für Fahrerassistenzsysteme.
Wird die Windschutzscheibe ausgetauscht, muss deshalb geprüft werden, welche Vorgaben für das jeweilige Fahrzeug und System gelten.
Je nach Fahrzeug kann anschließend eine Kamerakalibrierung erforderlich sein.
Die Kamera kann beispielsweise Funktionen wie Spurhalteassistenz, Verkehrszeichenerkennung oder andere Fahrerassistenzsysteme unterstützen.
Bei Autoglas4You kann die erforderliche Kamerakalibrierung in Hagenbrunn durchgeführt werden.
Weitere Informationen: kamerakalibrierung-der-fahrerassistenzsysteme
Gute Pflege kann die Entstehung zusätzlicher Spuren reduzieren
Die Belastung durch aufgewirbelte Partikel während der Fahrt lässt sich natürlich nicht vollständig verhindern.
Andere Ursachen für Oberflächenspuren können jedoch reduziert werden.
Eine stark verschmutzte Scheibe sollte nicht trocken abgerieben werden.
Scheibenwischer sollten sauber und in gutem Zustand sein.
Sand und grober Schmutz sollten möglichst abgespült werden, bevor mechanisch über das Glas gewischt wird.
Im Winter sollte ein sauberer, geeigneter Eiskratzer verwendet werden.
Damit lässt sich die natürliche Beanspruchung einer Windschutzscheibe zwar nicht verhindern, unnötige zusätzliche Kratzer können jedoch reduziert werden.
Mehr zur richtigen Pflege:
„Autowäsche, Insekten und Vogelkot – Was die Windschutzscheibe wirklich aushält“
Fazit
Eine Windschutzscheibe muss nicht gerissen sein, um mit zunehmender Laufleistung sichtbare Gebrauchsspuren zu entwickeln.
Besonders Fahrzeuge mit vielen Autobahnkilometern können über Jahre unzählige kleine Einschläge und Oberflächenspuren sammeln.
Bei normalem Tageslicht bleiben diese häufig unauffällig.
Erst tief stehende Sonne, Regen oder entgegenkommende Scheinwerfer machen sichtbar, wie stark die Glasoberfläche tatsächlich beansprucht ist.
Eine feste Kilometergrenze für den Austausch gibt es nicht.
Entscheidend ist immer der tatsächliche Zustand der Scheibe und die Qualität der Sicht unter realen Fahrbedingungen.
Deshalb gilt:
Zuerst gründlich reinigen und Scheibenwischer kontrollieren. Bleiben starke Reflexionen, Streulicht und eine deutlich beeinträchtigte Sicht bestehen, sollte die Windschutzscheibe fachlich beurteilt werden.
Ist die Oberfläche stark verschlissen und lässt sich keine technisch sinnvolle Verbesserung erreichen, kann ein professioneller Windschutzscheibentausch die richtige Lösung sein.
Mehr erfahren:
· Windschutzscheibentausch
· Steinschlagreparatur
· Kamerakalibrierung der Fahrerassistenzsysteme
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