Eine Windschutzscheibe steht ständig unter Belastung
Eine moderne Windschutzscheibe besteht aus Verbundsicherheitsglas.
Dabei werden zwei Glasschichten durch eine Kunststofffolie miteinander verbunden.
Diese Konstruktion sorgt unter anderem dafür, dass die Scheibe bei einer Beschädigung nicht wie gewöhnliches Glas vollständig in einzelne scharfkantige Stücke zerfällt.
Im Fahrzeug ist die Windschutzscheibe außerdem fest mit der Karosserie verklebt.
Während der Fahrt wirken deshalb ständig unterschiedliche Kräfte auf das Glas.
Die Karosserie bewegt sich minimal.
Unebenheiten der Straße erzeugen Erschütterungen.
Winddruck wirkt auf die Scheibe.
Gleichzeitig verändern Temperaturunterschiede die Spannungsverhältnisse im Glas.
Eine unbeschädigte Windschutzscheibe ist für diese normalen Belastungen ausgelegt.
Existiert jedoch bereits ein Steinschlag, sieht die Situation anders aus.
Der Steinschlag wird zur Schwachstelle
Bei einem Steinschlag trifft ein kleiner Stein oder ein anderer harter Gegenstand mit hoher Geschwindigkeit auf die äußere Glasschicht.
Dabei entsteht eine lokale Beschädigung.
Je nach Einschlag können unterschiedliche Schadensbilder entstehen.
Manchmal ist lediglich eine kleine Einschlagstelle sichtbar.
In anderen Fällen entstehen bereits kurze feine Risse rund um den Einschlag.
Genau diese beschädigte Zone ist empfindlicher als die umliegende intakte Glasfläche.
Solange sich der Schaden nicht verändert, wirkt er möglicherweise über Tage oder sogar Wochen harmlos.
Doch zusätzliche Belastungen können dazu führen, dass sich ein vorhandener Riss weiter ausbreitet.
Der Winter liefert gleich mehrere solcher Belastungen gleichzeitig.
Was Kälte mit der Windschutzscheibe macht
Materialien verändern ihre Abmessungen mit der Temperatur.
Auch Glas reagiert auf Erwärmung und Abkühlung.
Sinkt die Außentemperatur stark ab, kühlt die Windschutzscheibe entsprechend aus.
Problematisch wird es vor allem dann, wenn unterschiedliche Bereiche der Scheibe nicht gleichzeitig dieselbe Temperatur haben.
Genau das passiert im Winter regelmäßig.
Außen kann die Scheibe sehr kalt oder sogar vereist sein.
Im Innenraum wird dagegen warme Luft auf die Frontscheibe geleitet.
Dadurch erwärmt sich die innere beziehungsweise bestimmte Bereiche der Scheibe schneller als andere.
Es entstehen Temperaturunterschiede innerhalb des Glases.
Bei einer vollkommen intakten Windschutzscheibe ist das normalerweise kein Problem.
Befindet sich jedoch bereits ein Steinschlag oder kleiner Riss im Glas, kann die vorhandene Schwachstelle empfindlicher auf diese Belastung reagieren.
Minusgrade allein sind nicht das eigentliche Problem
Oft hört man:
„Die Windschutzscheibe ist wegen der Kälte gerissen.“
Das ist etwas vereinfacht.
Eine intakte Windschutzscheibe sollte normale winterliche Temperaturen grundsätzlich aushalten.
Kritischer ist häufig die Kombination verschiedener Faktoren:
eine bereits vorhandene Beschädigung,
starke Abkühlung,
schnelle Erwärmung,
unterschiedliche Temperaturen innerhalb der Scheibe,
Erschütterungen während der Fahrt.
Der Frost kann also der Moment sein, in dem sich ein bereits vorhandener Schaden weiterentwickelt.
Die eigentliche Schwachstelle war möglicherweise schon vorher vorhanden.
Morgens beginnt plötzlich ein Riss zu wachsen
Ein typisches Szenario sieht so aus:
Das Fahrzeug steht über Nacht im Freien.
Die Temperatur fällt deutlich unter null Grad.
Am Morgen ist die Windschutzscheibe vollständig ausgekühlt oder vereist.
Im Glas befindet sich bereits ein kleiner Steinschlag.
Der Fahrer startet das Fahrzeug und schaltet die Heizung beziehungsweise Defrost-Funktion ein.
Warme Luft trifft auf die kalte Windschutzscheibe.
Kurz danach beginnt an der beschädigten Stelle ein feiner Riss.
Dieser kann zunächst nur wenige Zentimeter lang sein.
Doch manchmal wächst er innerhalb kurzer Zeit deutlich weiter.
Dann ist aus einem möglicherweise reparierbaren Steinschlag ein Schaden geworden, bei dem ein Austausch der Windschutzscheibe notwendig werden kann.
Die Heizung ist nicht der Feind der Windschutzscheibe
Das bedeutet natürlich nicht, dass man im Winter die Heizung nicht benutzen darf.
Die Heizungs- und Defrostsysteme eines Fahrzeugs sind für den normalen Betrieb vorgesehen.
Bei einer bereits beschädigten Windschutzscheibe sollte man jedoch unnötig extreme Temperaturwechsel vermeiden.
Wer beispielsweise in ein vollständig ausgekühltes Fahrzeug steigt und sofort maximale heiße Luft auf die Frontscheibe richtet, erzeugt einen größeren Temperaturunterschied als bei einer schrittweisen Erwärmung.
Eine vorhandene Beschädigung kann dadurch stärker belastet werden.
Deshalb ist es sinnvoll, eine Scheibe mit Steinschlag nicht unnötig extremen Temperaturwechseln auszusetzen.
Vor allem aber sollte der Schaden möglichst früh geprüft werden.
Beheizbare Windschutzscheiben erwärmen das Glas direkt
Viele moderne Fahrzeuge verfügen über beheizbare Windschutzscheiben.
Je nach Konstruktion arbeiten diese beispielsweise mit sehr feinen Heizdrähten oder anderen in beziehungsweise an der Scheibe integrierten Heizsystemen.
Der Vorteil im Winter ist offensichtlich.
Eis und Beschlag können schneller entfernt werden.
Bei einer beschädigten Windschutzscheibe verändert eine aktive Scheibenheizung jedoch ebenfalls die Temperatur des Glases.
Das bedeutet nicht, dass eine beheizbare Windschutzscheibe grundsätzlich besonders leicht reißt.
Entscheidend ist wieder der Zustand der Scheibe.
Ist bereits ein Steinschlag oder Riss vorhanden, sollte die Beschädigung nicht unnötig lange ignoriert werden.
Heißes Wasser auf eine gefrorene Windschutzscheibe?
Eine der schlechtesten Ideen beim morgendlichen Enteisen ist sehr heißes oder kochendes Wasser.
Die Erklärung ist einfach.
Die Windschutzscheibe kann bei Frost deutlich unter null Grad kalt sein.
Wird plötzlich sehr heißes Wasser auf das Glas gegossen, entsteht innerhalb kürzester Zeit ein extremer Temperaturunterschied.
Das belastet die Scheibe unnötig.
Besonders riskant ist das, wenn bereits ein kleiner Steinschlag oder eine andere Beschädigung vorhanden ist.
Aus einem kaum auffälligen Schaden kann dann ein größerer Riss entstehen.
Sehr heißes Wasser gehört deshalb nicht auf eine gefrorene Windschutzscheibe.
Auch der Eiskratzer kann Schäden verursachen
Der klassische Eiskratzer gehört im Winter in fast jedes Auto.
Richtig verwendet ist er ein normales Hilfsmittel.
Problematisch wird es, wenn sich zwischen Kratzer und Glas harte Schmutzpartikel befinden.
Sand, kleine Steinchen oder Straßenschmutz können beim Kratzen über die Oberfläche gezogen werden.
Dadurch können feine Kratzer entstehen.
Auch beschädigte oder ungeeignete Kratzer sollten nicht verwendet werden.
Besondere Vorsicht ist außerdem im Bereich eines vorhandenen Steinschlags sinnvoll.
Starker mechanischer Druck direkt auf eine bereits geschädigte Stelle ist unnötig.
Schnee und Eis verändern die Sicht auf kleine Schäden
Im Winter gibt es noch ein weiteres Problem.
Eine verschmutzte, nasse oder teilweise vereiste Windschutzscheibe macht kleine Steinschläge schwerer erkennbar.
Ein frischer Schaden kann deshalb zunächst unbemerkt bleiben.
Erst beim Reinigen der Scheibe fällt die kleine Einschlagstelle auf.
Gerade nach längeren Autobahnfahrten sollte die Windschutzscheibe deshalb gelegentlich genauer kontrolliert werden.
Je früher ein Steinschlag entdeckt wird, desto eher kann beurteilt werden, ob eine Reparatur technisch möglich ist.
Feuchtigkeit und Schmutz gelangen in die Schadstelle
Ein frischer Steinschlag ist nicht hermetisch von der Außenwelt abgeschlossen.
Mit der Zeit können Feuchtigkeit und Verschmutzungen in den beschädigten Bereich gelangen.
Im Winter kommen zusätzlich Wasser, Salz und Straßenschmutz hinzu.
Das ist einer der Gründe, warum ein frischer Steinschlag nicht monatelang unbeachtet bleiben sollte.
Bis zur Begutachtung kann es sinnvoll sein, die Schadstelle möglichst sauber und trocken zu halten.
Es gibt dafür beispielsweise spezielle transparente Steinschlag-Aufkleber.
Sie ersetzen keine Reparatur.
Sie können jedoch helfen, die Schadstelle vor zusätzlicher Verschmutzung zu schützen.
Kann Wasser im Steinschlag gefrieren?
Feuchtigkeit kann in feine Bereiche einer Beschädigung gelangen.
Bei entsprechenden Temperaturen kann Wasser gefrieren.
Da sich Wasser beim Gefrieren ausdehnt, wird dieser Effekt häufig als zusätzlicher Grund genannt, warum beschädigte Windschutzscheiben im Winter empfindlicher sein können.
In der Praxis wirken bei einer Windschutzscheibe jedoch meist mehrere Faktoren gleichzeitig.
Temperaturwechsel, vorhandene Rissspitzen, mechanische Belastungen und Erschütterungen können gemeinsam dazu beitragen, dass sich ein Schaden verändert.
Deshalb sollte man nicht versuchen, bei einem konkreten Riss aus der Ferne eine einzige Ursache festzulegen.
Entscheidend ist:
Eine bereits beschädigte Scheibe besitzt weniger Reserve als eine unbeschädigte.
Ein Schlagloch kann plötzlich der letzte Auslöser sein
Nicht nur Temperatur belastet die Windschutzscheibe.
Im Winter sind Straßen teilweise stärker beschädigt.
Schlaglöcher, harte Fahrbahnkanten oder Unebenheiten übertragen Erschütterungen auf die Fahrzeugkarosserie.
Die Karosserie wiederum bewegt sich minimal – und die eingeklebte Windschutzscheibe bewegt sich mit.
Ein vorhandener Steinschlag kann lange unverändert bleiben.
Dann fährt das Fahrzeug über eine starke Unebenheit und plötzlich beginnt ein Riss zu wachsen.
Der Fahrer verbindet den Riss verständlicherweise mit dem Schlagloch.
Technisch war jedoch möglicherweise die bereits vorhandene Beschädigung die entscheidende Schwachstelle.
Aus einem reparierbaren Schaden kann ein Scheibentausch werden
Das ist der wichtigste praktische Punkt.
Ein kleiner Steinschlag kann unter bestimmten Voraussetzungen reparierbar sein.
Wird er jedoch ignoriert und entwickelt sich daraus ein längerer Riss, ist eine Reparatur häufig nicht mehr möglich.
Dann muss die Windschutzscheibe ersetzt werden.
Deshalb lohnt es sich besonders im Winter, einen Steinschlag frühzeitig kontrollieren zu lassen.
Bei Autoglas4You kostet die Steinschlagreparatur 58 Euro pro Einschlag.
Bei entsprechender Kaskoversicherung kann die Reparatur – abhängig vom Versicherungsvertrag – von der Versicherung übernommen werden.
Weitere Informationen: steinschlagreparatur
Nicht jeder Steinschlag darf repariert werden
Ob eine Reparatur möglich ist, hängt nicht nur von der Jahreszeit ab.
Entscheidend sind unter anderem Art, Größe und Position der Beschädigung.
Auch die Lage im Sichtbereich des Fahrers beziehungsweise in technisch relevanten Bereichen der Windschutzscheibe spielt eine Rolle.
Ein bereits weitergelaufener Riss lässt sich nicht einfach wie ein kleiner Steinschlag behandeln.
Deshalb sollte die Schadstelle fachgerecht beurteilt werden.
Je früher das geschieht, desto größer ist die Chance, dass eine technisch mögliche Reparatur noch durchgeführt werden kann.
Was tun, wenn der Steinschlag im Winter gerade passiert ist?
Zunächst sollte man nicht in Panik geraten.
Ein kleiner Steinschlag bedeutet nicht automatisch, dass die Windschutzscheibe in den nächsten Minuten reißen wird.
Trotzdem sollte man einige Dinge beachten.
Extreme Temperaturwechsel möglichst vermeiden.
Kein sehr heißes Wasser zum Enteisen verwenden.
Nicht unnötig starken Druck auf die beschädigte Stelle ausüben.
Die Schadstelle möglichst sauber halten.
Und vor allem:
Den Steinschlag zeitnah prüfen lassen.
Je länger man wartet, desto größer ist das Zeitfenster, in dem sich der Schaden verändern kann.
Was tun, wenn bereits ein langer Riss entstanden ist?
Hat sich aus dem Steinschlag bereits ein deutlicher Riss entwickelt, sollte die Windschutzscheibe ebenfalls geprüft werden.
Ein längerer Riss bedeutet häufig, dass ein Austausch notwendig ist.
Bei modernen Fahrzeugen muss dann zunächst die richtige Ersatzscheibe identifiziert werden.
Denn eine Frontscheibe kann heute verschiedene technische Ausstattungen besitzen.
Dazu gehören beispielsweise:
Regensensor,
Fahrerassistenzkamera,
Scheibenheizung,
Akustikverglasung,
Wärmeschutzbeschichtung,
Head-up-Display.
Die Ersatzscheibe muss zur tatsächlichen Fahrzeugausstattung passen.
Fahrerassistenzkamera nach dem Scheibentausch
Bei vielen modernen Fahrzeugen befindet sich hinter der Windschutzscheibe eine Kamera für Fahrerassistenzsysteme.
Muss die Frontscheibe aufgrund eines langen Risses ausgetauscht werden, muss auch die Kameratechnik berücksichtigt werden.
Je nach Fahrzeug und Herstellervorgabe kann nach dem Windschutzscheibentausch eine Kamerakalibrierung erforderlich sein.
Bei Autoglas4You kann die Kalibrierung der Fahrerassistenzsysteme in Hagenbrunn durchgeführt werden.
Weitere Informationen: kamerakalibrierung-der-fahrerassistenzsysteme
Winter bedeutet nicht automatisch mehr Scheibentausch
Es wäre falsch zu behaupten, dass jede Windschutzscheibe mit einem kleinen Steinschlag bei Minusgraden zwangsläufig reißen wird.
Viele Schäden bleiben zunächst stabil.
Andere verändern sich schnell.
Wie sich eine konkrete Beschädigung entwickelt, lässt sich nicht zuverlässig vorhersagen.
Genau deshalb ist eine frühzeitige Kontrolle sinnvoll.
Denn solange der Schaden klein und technisch reparierbar ist, besteht möglicherweise noch die Chance auf eine Steinschlagreparatur.
Ist der Riss erst einmal weit durch die Windschutzscheibe gelaufen, bleibt häufig nur noch der Austausch.
Fazit
Ein kleiner Steinschlag kann im Sommer lange unauffällig bleiben und im Winter plötzlich zum Ausgangspunkt eines langen Risses werden.
Nicht die Kälte allein ist dafür verantwortlich.
Entscheidend ist häufig das Zusammenspiel aus einer bereits vorhandenen Schwachstelle, niedrigen Temperaturen, schneller Erwärmung, mechanischer Belastung und Erschütterungen.
Besonders ungünstig sind extreme Temperaturwechsel.
Sehr heißes Wasser auf einer gefrorenen Windschutzscheibe sollte deshalb vermieden werden.
Auch ein vorhandener Steinschlag sollte nicht unnötig lange ignoriert werden.
Denn aus einem kleinen, möglicherweise reparierbaren Schaden kann innerhalb kurzer Zeit ein Riss entstehen, der einen kompletten Windschutzscheibentausch notwendig macht.
Die einfachste Winterregel lautet deshalb:
Steinschlag entdeckt? Nicht bis zum nächsten Temperatursturz warten – frühzeitig kontrollieren lassen.
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